Neue Programme erlauben einen “Google Earth“-artigen Blick auf den Mars.
Umsonst herunterzuladen:
“Imagine zooming in over the surface of Mars, sweeping over sand dunes and circling around the rims of craters – all from your home desktop.
With HiView, the image-viewing tool recently released by the High Resolution Imaging Science Experiment, or HiRISE, team at the University of Arizona’s Lunar and Planetary Lab, you can do just that. “
Info:
http://www.physorg.com/news/2011-12-google-earth-mars-explore-red.html
Download: http://hirise.lpl.arizona.edu/hiview/
Sehenswert zum Beispiel: “Syrtis major”.
Christiaan Huygens war der erste Astronom, der eine Oberflächenstruktur auf einem Planeten beobachtet hat: Syrtis Major auf Mars.

In seinem Systema Saturnium (1659) hat er geschrieben und illustriert:

“Auch auf dem Mars habe ich eine Zone beobachtet, sehr breit, die den mittleren Teil der Scheibe verdunkelte, so wie die gezeigte Abbildung sehen lässt.“
Möglicherweise ist das gemäßigte und abwechselnde Klima der Erde eine Voraussetzung für das Entstehen von Leben. Möglicherweise sind auch die irdischen Jahreszeiten eine Voraussetzung für das Entstehen von Leben.
Ich habe noch wenig über eine eventuelle Neigung der Rotationsachse des Exoplaneten Kepler-22b gelesen. Gibt es wohl Jahreszeiten auf „unserem Zwillingsplaneten“?
Die Jahreszeiten auf der Erde werden dadurch verursacht, dass die Rotationsachse der Erde gekippt ist :
Die Erde bewegt sich um die Sonne auf einer Ebene die Ekliptik genannt wird. Die Rotationsachse der Erde ist geneigt mit einem Winkel zwischen Äquator und Ekliptik von ca 23 Grad. Die geneigte Erde bewegt sich um die Sonne, wobei die Achse immer parallel bleibt. So ist die nördliche Halbkugel der Sonne im Juni näher, während die südliche Halbkugel der Sonne im Dezember näher ist.
: 

Keineswegs alle Planeten haben so eine Bahnneigung, die Jahreszeiten verursacht.
Christiaan Huygens schrieb in seinem letzten Buch Cosmotheoros (1698) über intelligentes Leben auf anderen Planeten. Er versetzt sich im Geiste auf die anderen Planeten und beschreibt, was ein Beobachter von den Planeten aus sehen und erleben würde. Huygens beschreibt, so gut er kann, auch die Jahreszeiten auf allen Planeten.
Er fängt mit Merkur an. Dieser Planet ist der Sonne am nächsten und kann nur schwer mit dem Teleskop beobachtet werden. Deswegen wusste Huygens nicht, ob die Achse des Merkur geneigt ist und ob dieser Planet Jahreszeiten hat- aber wir wissen jetzt, dass die Achse des Merkur kaum geneigt ist.
Über die Achsenneigung der Venus weiß Huygens auch nichts, aber wir wissen, dass dieser Planet, so wie Merkur, keine Achsenneigung und also auch keine Jahreszeiten hat. Dann schreibt Huygens über den Mars, der nach seiner Meinung keine Jahreszeiten hat- aber wir wissen jetzt, dass der Mars sehr wohl geneigt ist und deswegen auch Jahreszeiten hat.
Aber Huygens hat dann recht, was den Jupiter betrifft: keine Achsenneigung und keine Jahreszeiten.
Und schließlich der Saturn, Huygens‘ liebster Planet: dieser Planet ist am interessantesten, denn die Achsenschiefe ist hier stärker ausgeprägt als auf der Erde. Huygens, der glaubt zu wissen, dass der Saturn bewohnt ist, ist sich unsicher, ob die Pole dort wohl bewohnt sein können. An den Polen ist es, sagt Huygens, wohl zu kalt.
Sowohl Johannes Kepler als auch Christiaan Huygens schrieben halb im Scherz und halb im Ernst über die Existenz von Astronomen auf anderen Planeten. Huygens betonte in seinem letzten Text Cosmotheoros, dass wir niemals unterstellen dürfen, dass die Bewohner anderer Planeten weniger entwickelt sind als wir, oder weniger zustande bringen als wir- also werden sie wohl auch die Astronomie betreiben.
Astronom auf Kepler 22-b
Also dann, unsere Zwillingsastronomen auf unserem Zwillingsplaneten Kepler-22b, was sehen sie, wenn sie, so wie wir, ihren Zwillingsplaneten jetzt gerade entdeckt haben? Wir wollen annehmen, dass sie bessere Teleskope als wir haben, und die Erde ausgezeichnet einzoomen können.
Kepler -22b ist 600 Lichtjahre von der Erde entfernt.
Unsere Zwillinge sehen jetzt die Erde zum Beginn des 15. Jahrhunderts.
Sie sehen die Entdeckungsreisenden über die Meere fahren.

Das lässt ihr Herz schneller klopfen, denn natürlich kennen unsere Zwillinge das auch: Entdeckungsreisen, Schifffahrt.
Christiaan Huygens schreibt im Cosmotheoros:
„Wenn auf den Planeten die Fläche der Kugel auch aufgeteilt ist in Land und Meer, […] dann haben wir sehr guten Grund anzunehmen, dass die Planetenbewohner sich auch der Seefahrt bedienen- denn wie könnte man sonst eine so große und nützliche Sache ohne Vermessenheit unserer Erdkugel alleine zuschreiben. […] Wenn sie nun Gebrauch machen von Schiffen, müssen sie auch noch viele Dinge, die dazu gehören, haben: Segel, Anker, Seile, Winden, Steuerruder, und auch deren besonderen Gebrauch, wie bei uns, wo man trotz Gegenwinden auch leicht gegen den Wind fahren kann. Auch der Seekompass darf bei ihnen nicht fehlen, denn der Magnetismus ist eine Sache, die auch auf den übrigen Planeten vermutet werden muss.”

Maria Trepp www.passagenproject.com
Dieser Text erschien auch auf meinem niederländischen Weblog
und auf meinem englischen Blog
Our twins on twin planet Kepler-22b
Im wissenschaftshistorischen Museum Boerhaave in Leiden/Niederlande ist ein neurenovierter Himmelsglobus mit Planetarium zu sehen, die sogenannten „Leidse Sphaera“, ein Planetarium, das der Rotterdamer Uhrmacher Steven Tracy um 1650 konstruierte.
Leidener Sphaeren, Die Sonne mit den kleinen Planeten
Leidener Sphaeren. Das Planetarium zeigt auch den Saturn mit Ring und mit Monden als kleine Ausbuchtungen auf dem Ring. Der Saturn war dem Planetarium erst 1710 hinzugefügt worden.
Planetarium Leidener Sphaeren, Jupiter mit Monden.
Die „Leidener Sphaeren“ sind mit einem Pendeluhrwerk ausgerüstet, das 1656 von Christiaan Huygens erfunden wurde.
Von Christiaan Huygens ist hier im Museum Boerhaave auch ein Planetarium zu sehen. Obwohl es kleiner ist und nur zweidimensional, arbeitet es wesentlich genauer als die Leidener Spheren. Es wird angetrieben durch ein Uhrwerk mit Spiralfeder- auch eine Erfindung von Huygens.

Planetarium Christiaan Huygens, Museum Boerhaave

Planetarium Christiaan Huygens, die Bahnen der kleinen Planeten
Huygens war in allem sowohl Theoretiker als auch Praktiker. Er setzte seine theoretischen Erkenntnisse um in technische und praktische Entwürfe. So hat er auch das kopernikanische Sonnensystem 1682 in einer künstlerisch-technischen Form dargestellt. Die elliptischen Bahnen der Planeten werden durch exzentrische Kreise angenähert.
Huygens hatte ursprünglich auch kleine Platten mit Monden entworfen für das Planetarium, aber diese sind verloren gegangen.
Maria Trepp www.passagenproject.com
Im Cosmotheoros zeigt Huygens, dass ein Blick aus dem Abstand den weltlichen Herrschern gut tun würde: sie müssen ihre Streitigkeiten und ihr borniertes Eigeninteresse in Perspektive sehen, also „relativieren“:
„Von meiner Darstellung kann man sich
überzeugen lassen, wie riesig das Sonnensystem ist und wie unbedeutend die kleine Erdkugel ist, auf der wir so viel unternehmen, so viele Schiffreisen machen, und so viele Kriege führen. Wollte Gott, dass unsere Könige und Monarchen dieses erkennen und überlegen mögen, so dass sie sähen, wie schlecht sie handeln, wenn sie sich mit allen Kräften und vieler Menschen Not abmühen, um eine kleine Ecke dieser Erde zu besetzen.“
Kürzlich erzählte der niederländisch-amerikanische Astronaut Lodewijk van den Berg von seinen Erlebnissen im Weltraum. Er machte eine beeindruckende innerliche Erfahrung:
„Die ganze Art, wie man die Erde sieht, verändert sich völlig. Wir sprechen über die Globalisierung der Wirtschaft, der Medien und der Politik. Aber ich habe die Erde wahrhaftig global gesehen. In einem Moment flogen wir über Shanghai, und zwölf Minuten später über San Franzisco. Da unten wohnen ganz verschiedenen Menschen, aber das merkt man nicht mehr. Wir wohnen alle auf diesem ziemlich kleinen Planeten. Man sieht Deutschland und Frankreich direkt nebeneinander liegen, man schießt drüber hinweg. Man fragt sich, warum die Länder eigentlich je Krieg geführt haben. Van den Berg erzählt auch, dass viele Astronauten frühere Piloten sind. Die meisten sind darauf gedrillt, um anzufallen. Aber ehemalige Astronauten werden bei der Luftwaffe nie mehr angenommen. Denn der Drive anzugreifen ist verschwunden.
Sie sehen den Feind nicht mehr nach so einer
Raumfahrt.“

Hier ein Gedicht van Marie Louise Kaschnitz:
Juni
Schön wie niemals sah ich jüngst die Erde.
Einer Insel gleich trieb sie im Winde.
Prangend trug sie durch den reinen Himmel
Ihrer Jugend wunderbaren Glanz.
Funkelnd lagen ihre blauen Seen,
Ihre Ströme zwischen Wiesenufern.
Rauschen ging durch ihre lichten Wälder,
Grosse Vögel folgten ihrem Flug.
Voll von jungen Tieren war die Erde.
Fohlen jagten auf den grellen Weiden,
Vögel reckten schreiend sich im Neste,
Gurrend rührte sich im Schilf die Brut.
Bei den roten Häusern im Holunder
Trieben Kinder lärmend ihre Kreisel.
Singend flochten sie auf gelben Wiesen
Ketten sich aus Halm und Löwenzahn.
Unaufhörlich neigten sich die grünen
Jungen Felder in des Windes Atem,
Drehten sich der Mühlen schwere Flügel,
Neigten sich die Segel auf dem Haff.
Unaufhörlich trieb die junge Erde
Durch das siebenfache Licht des Himmels.
Flüchtig nur wie einer Wolke Schatten
Lag auf ihrem Angesicht die Nacht.
(1935)
…..
Allerdings bezweifle ich, ob die kommerzielle Raumfahrt den Pazifismus fördern wird….
Video:
Earth from space
Obwohl Huygens selbst als „Cosmotheoros/ Weltbetrachter“ nicht nur astronomischer Beobachter, sondern vor allem auch Theoretiker war, hatte er großen Respekt vor den Astronomen, die, anders als er selbst, jahr- und jahrzehntelang Nacht für Nacht geduldige astronomische Beobachtungen machten.
„[…] So wurde alles mit viel Mühe und schlaflosen Nächten festgestellt“ schreibt Huygens im Cosmotheoros. Dies ist eine Anerkennung des Werks von Cassini, der, wie Huygens an seinen Bruder Lodewijk schrieb, in seinem Observatorium wohnte, und keine klare Nacht ausließ bei seiner Arbeit.
Im Cosmotheoros schreibt Huygens:
„Einen Mond des Saturns habe ich selbst kürzlich entdeckt, den hellsten und bis auf einen anderen auch äußersten Mond; diesen habe ich 1655 mit meinen Ferngläsern, deren Rohr nicht mehr dann zwölf Fuß lang ist, als erster gefunden. Die übrigen hat Herr Domenico Cassini durch überaus fleißige Beobachtungen entdeckt, mit Gläsern, die Johannes Campus geschliffen hat für eine Rohrlänge von 36 und später sogar 136 Fuß. Den dritten und fünften Mond habe ich 1672, als Cassini diese Monde mir selbst gezeigt hat, gesehen, und sie auch danach noch öfter gesehen. 1684 hat Cassini mir geschrieben, dass er auch den ersten und den zweiten Mond gefunden hätte. Diese sind aber sehr schwer zu sehen, und ich kann nicht sicher sagen, dass ich einen davon mit Sicherheit erblickt habe. Jedoch habe ich keinerlei Bedenken, Cassini, diesem vortrefflichen Mann, zu glauben, und auch diese zu den Begleitern des Saturns zu zählen.“

Domenico Cassini, der französische Astronom und Mathematiker italienischer Herkunft, war wie Christiaan Huygens Mitglied der Académie des Sciences in Paris. Nach Huygens‘ Entdeckung des ersten Saturnmondes entdeckte er weitere Saturnmonde (1671 Japetus und 1672 Rhea) und 1675 erstmals die Lücke im Saturnring, die heute Cassinische Teilung heißt. Die Teleskope von Eustachio Divini und Giuseppe Campani ermöglichten Cassini spektakuläre Entdeckungen. Mit Hilfe des Großen Roten Flecks auf dem Jupiter bestimmte Cassini dessen Eigendrehung (1665), auch hierüber schreibt Huygens.
Zusammen mit Cassini stellte Huygens 1670 fest, ob seine Vorhersagen über die Form des Planeten Saturn eintreffen würden, was dann tatsächlich der Fall war. Von dem Antagonismus, der das Verhältnis von Huygens en Cassini wegen des sehr unterschiedlichen Charakters und der Arbeitsweise dieser beiden Wissenschaftler bestimmt haben soll, ist im Cosmotheoros nichts zu spüren, im Gegenteil.
Huygens nennt auch den britischen Astronomen Flamsteed:
„ […] Denn wenn die Erde von der Sonne zehn- oder elftausend ihrer eigenen Durchmesser entfernt ist, wie der Herr Cassini in Frankreich und bei den Engländern der Herr Flamsteed aus den schärfsten Beobachtungen der Parallaxe des Mars entnehmen […]“
Huygens hatte den Astronomen des Observatoriums in Greenwich, John Flamsteed, auf seiner Englandreise besucht; und auch der Bruder Constantijn Huygens hat Flamsteed in seinem Observatorium aufgesucht. Die positive Erwähnung Flamsteeds bei Huygens steht im Kontrast zum Verhältnis zwischen Isaac Newton und Flamsteed. Newton war in einen hässlichen Konflikt mit Flamsteed verwickelt und verwendete dessen Messungen, ohne ihn zu nennen. Huygens ist dagegen offensichtlich sehr bemüht, den handwerklichen Astronomen Ehre zu erweisen.

John Flamsteed
Christiaan Huygens letzter Text Cosmotheoros (1698) ist ein populärwissenschaftlicher Text, der das kopernikanische Weltbild verteidigt und veranschaulicht; ein frühaufklärerischer Text, der zusammen mit anderen Schriften wie der von Fontenelle (Unterhaltungen über die Vielzahl der Welten, 1686) am Beginn der starken Popularisierung der Naturwissenschaften stand.
Das Werben um das kopernikanische System war zum Ende des 17. Jahrhunderts sicher noch nötig. Zwar war schon Galilei war überzeugt, dass seine astronomischen Beobachtungen das heliozentrische Weltbild des Nicolaus Copernicus stützten, dennoch gab es im 17. Jahrhundert keinen zwingenden Beweis für das kopernikanische Weltbild: sämtliche Beobachtungen, so wie die Monde um Jupiter und Saturn oder die Venus-Phasen, waren auch mit dem geozentrischen Weltmodell des Tycho Brahe kompatibel, in dem sich Sonne und Mond um die Erde, die übrigen Planeten aber um die Sonne drehen. Es gelang erst James Bradley im Jahr 1729 die Eigenbewegung der Erde gegenüber der Fixsternsphäre nachzuweisen und damit das geozentrische Modell endgültig zu entkräften.
Die katholische Kirche hielt auch noch zur Zeit von Huygens fest am Modell des Tycho Brahe.

Weltmodell des Tycho Brahe kompatibel, in dem sich Sonne und Mond um die Erde, die übrigen Planeten aber um die Sonne drehen
Das Modell des Kopernikus war seit 1616 verboten; dieses Verbot wurde erst 1822 aufgehoben. Huygens selbst stieß mit seinem Systema Saturnium (1659, ausführlicher siehe hier) bei der Inquisition auf Widerstand. Als Huygens 1659 seine Beobachtungen am Saturn, den neuen Mond Titan und das Ringsystem, in Systema Saturnium, publizierte, bekam er Probleme mit der katholischen Kirche, die seine Entdeckungen als ketzerisch beurteilte, weil diese das kopernikanische System stützten. Der Jesuit Honoré Fabri und der Instrumentenmacher Guiseppe Divini publizierten eine Wiederlegung der Beobachtungen und Theorien von Huygens, worauf dieser mit einer Verteidigungsschrift kam. Schließlich kam eine Beurteilungskommission unter Leitung von Giovanni Alfonso Borelli zur Schlussfolgerung, dass Huygens recht hatte. Im Auftrag der Kommission wurde ein Schalenmodell des Saturns und seines Ringes gebaut, und dieses dann aus dem Abstand mit einem Fernrohr betrachtet, wobei man genau die wahrgenommenen Scheingestalten des Saturns fand.

Christiaan Huygens hat sich als erster an eine beobachtende und schätzende Messung des Abstandes zu den „Fix“sternen gewagt.
Er ging davon aus, dass die Fixsterne Sonnen sind, ungefähr so groß wie unsere Sonne. Wenn man dann die Helligkeit eines Fixsterns mit der Helligkeit der Sonne vergleicht, kann man zu einer Schätzung des Abstandes gelangen. Im zweiten Buch seines Cosmotheoros (1698) beschreibt er seine originelle Messmethode:
„Es haben sich einige von uns Wissenschaftlern um die Erforschung des Raumes zu den Fixsternen bemüht, konnten aber wegen des Mangels an den hierzu benötigten genauen und enormen Fleiß erfordernden Beobachtungen keine Sicherheit erlangen. Es scheint also, dass der einzige Forschungsweg mir überlassen wurde, auf dem wenigstens etwas, das der Wahrheit ähnelt, in dieser so schwierigen Forschungsangelegenheit erlangt werden kann.“
Huygens schätzte den Abstand der Fixsterne, indem er den hellsten Fixstern wählte, den Sirius, und ging dann davon aus, dass dieser so groß und so hell sei wie unsere Sonne. Obwohl dies nicht ganz stimmt, denn der Sirius ist, wie wir jetzt wissen, doppelt so groß wie die Sonne und leuchtet mit 25-facher Leuchtkraft, war diese Annahme eine ausgezeichnete Ausgangsposition für eine einfache Messmethode. Huygens verkleinerte den Durchmesser der Sonne systematisch, bis er durch ein abgedecktes Rohr mit winzigem Löchlein einen Lichtpunkt sah, der ungefähr so klein war wie der Sirius. Indem Huygens seine künstliche Sonnenverkleinerung (unter anderem den Durchmesser des Löchleins) genau messen konnte, konnte er den Abstand zum Sirius ziemlich gut schätzen, auch wenn der Sirius heller und in Wirklichkeit etwa dreißigmal weiter weg ist als Huygens dachte.
“Cosmotheoros“ , der Titel von Christiaan Huygens’ letztem Text, wird wörtlich übersetzt als der „Weltbetrachter“. Das Wort „Theorie“ leitet sich ab von theorein: beobachten, betrachten, [an]schauen; und „Theorie“ ist dann die Anschauung, Überlegung, Einsicht, wissenschaftliche Betrachtung; wörtlich: „Schau des Göttlichen“, (theos ).
Theorie wird oft als Gegensatz zur Praxis gesehen. Bei Huygens jedoch waren die Theorie und die Praxis auf faszinierende Weise miteinander verschmolzen. Die Betrachtung enthalten im Wort „theoros“ war bei Huygens sowohl ein physisches als auch ein innerliches Betrachten.
Huygens’ Arbeit an dem Ring des Saturns zeigt, dass das Finden von Lösungen nicht nur eine Frage von fleißiger Beobachtung ist, sondern auch und vor allem, dass in der wissenschaftlichen Wahrnehmung das Sehen der Gegenstände mit dem Auge direkt gekoppelt ist an ein in der Theorie begründetes Verständnis. ` `
Der Ring des Saturns war auch von vielen anderen Astronomen vor Huygens bemerkt worden, so wie von Galilei und dem Danziger Astronomen Hevelius, aber man hatte die Ringstruktur nicht erkannt; man dachte an Strukturen, die am Saturn befestigt sind. In seinem berühmten „Systema Saturnium“ von 1659 gibt Huygens eine Übersicht von den Modellen des Saturn-Ringes, die andere aufgezeichnet hatten, von den „Monstern“ (Huygens), Varianten von Ohren, Lappen und anderen merkwürdigen Konfigurationen.

Modelle, die Forscher angeführt hatten zur Erklärung der Form des Saturns, bevor Huygens die wahre Art des Ringsystems entdeckte. Diese Skizze stammt aus einer der gedruckten Versionen von Huygens’ Systema Saturnium.
Huygens war derjenige, der das Ringsystem des Saturns zuerst richtig beschrieben hat, also nicht nur gesehen hat, sondern auch theoretisch richtig ergründet hat und das regelmäßige Erscheinen und Verschwinden der Ringe erklären konnte. Es war schon lange bekannt, dass die „Henkel“ (ansae) des Saturns zu bestimmten Zeiten schwächer werden und schließlich unsichtbar werden. Huygens bemerkte, dass so etwas ganz verständlich ist: wenn die Erde sich genau in der Fläche des Ringes befindet, sieht man den Ring nicht mehr, jedenfalls, wenn dieser sehr dünn ist. Er wagte es sogar, zu schätzen, was die maximale Dicke des Ringes sein könnte, und er kam auf „600 deutsche Meilen“ (eine deutsche Landesmeile ist 7,532 km). Die wirkliche Dicke des Ringes ist ungefähr hundertmal kleiner, aber Huygens gab eine Obergrenze, und diese ist korrekt.

Abbildung: Huygens’ Erklärung des Standes der Ringe, so wie sie im Laufe eines Saturnjahres zu sehen sind. Im Zentrum der Abbildung sehen wir die Sonne, darum kreisen Erde und Saturn.
Der äußerste Ring zeigt anschaulich wie der Saturn von der Erde aus wahrgenommen wird.
Huygens konnte damit zeigen, warum der Ring ab und zu nicht zu sehen ist, nämlich dann, wenn die Erde sich genau in der Bahnebene der Ringe befindet, so dass diese von der Seite gesehen werden.
Der niederländische Naturwissenschaftler und Astronom Christiaan Huygens (1629-1695) hat seine Vision des Universums festgelegt in seinem letzten Text „Cosmotheoros“: wörtlich „Weltbetrachter“.
(Siehe auch hier zuvor erschienene Blogs)
Betrachter und Theoretiker
Auf dem Titel der lateinischen Originalausgabe ist das Wort mit griechischen Buchstaben zu sehen:
Κοσμοθεωρος
„Theoros“, das ist sowohl der Betrachter als auch der Theoretiker des Kosmos. Das Wort „Theorie“ leitet sich ab von theorein: beobachten, betrachten, [an]schauen; und „Theorie“ ist dann die Anschauung, Überlegung,
Einsicht, wissenschaftliche Betrachtung; wörtlich: „Schau des Göttlichen“, (theos ).
Theorie wird oft als Gegensatz zur Praxis gesehen. Bei Huygens jedoch waren die Theorie und die Praxis auf faszinierende Weise miteinander verschmolzen. Die Betrachtung enthalten im Wort „theoros“ war bei Huygens sowohl ein physisches als auch ein innerliches Betrachten. Und nicht nur das: die astronomischen Teleskope zum physischen Sehen als Grundlage seiner theoretisch-physikalischen Arbeit hat Huygens selbst gebaut, zusammen mit seinem Bruder, übrigens auch einem „Weltbetrachter“. In dem Text Cosmotheoros nimmt die überlegende Betrachtung der Funktion des Sehens und des Baus des menschlichen Auges dann auch einen wichtigen Platz ein. Huygens: „Wenn wir nämlich die wunderbare Natur des Lichts betrachten, und die außerordentliche Kunst, wie die Augen gemacht so sind, um dieses Licht zu genießen, werden wir leicht erkennen, dass man die Erkenntnis entfernter Dinge, und die Wahrnehmung entfernter Gestalten, oder die Erkenntnis wie weit sie voneinander entfernt sind, nicht auf andere Weise als durch das Sehen erlangen kann.“
Hier spricht Huygens, der sehend-wahrnehmende Theoretiker des Lichts und des Sehens.
Sehen, Betrachten, Verstehen, theoretisches Beschreiben und schilderndes Beschreiben gehen bei Huygens ineinander über, so wie es mehr als hundert Jahre später der Dichter und Naturwissenschaftler Goethe in seiner Farbenlehre beschrieb:
„Denn das bloße Anblicken einer Sache kann uns nicht fördern. Jedes Ansehen geht über in ein Betrachten, jedes Betrachten in ein Sinnen, jedes Sinnen in ein Verknüpfen, und so kann man sagen, dass wir schon bei jedem aufmerksamen Blick in die Welt theoretisieren. Dieses aber mit Bewusstsein, mit Selbstkenntnis,
mit Freiheit, und um uns eines gewagten Wortes zu bedienen, mit Ironie zu tun und vorzunehmen, eine solche Gewandtheit ist nötig, wenn die Abstraktion, vor der wir uns fürchten, unschädlich und das Erfahrungsresultat, das wir hoffen, recht lebendig und nützlich werden soll.“
Die Ironie, das lebendige Beschreiben und das nützliche Erfahrungsresultat: alles findet sich auch im Cosmotheoros.
Huygens hat selbst als betrachtender Weltbeschauer Entdeckungen im Weltraum gemacht, die im Cosmotheoros genannt werden: er hat den ersten Mond des Saturns entdeckt (Titan); er hat als erster den Ring des Saturns richtig beschrieben und erklärt, und er hat eine gute Schätzung für den Abstand zu den Fixsternen unternommen.
In seinem berühmten Buch über die Ringe des Saturns und den ersten entdeckten Saturnmond „Systema Saturnium“ van 1659 (die lateinische Originalversion mit Skizzen und eine französische Übersetzung ist digitalisiert zu finden auf der Website der Oeuvres complètes, Band XV) schreibt Huygens ausführlich über seine Entdeckung des ersten Saturnmondes, den Huygens selbst „comes“, Begleiter, nannte- der Name Titan wurde diesem Mond erst nach Huygens’ Tod verliehen.
Huygens beschreibt, wie er ab 25. März 1655 einen kleinen Stern immer wieder in der Nähe des Saturns sehen kann, in verschiedenen Himmelsrichtungen. Nach sechzehn Tagen ist der Begleiter wieder auf derselben Position zu sehen im Verhältnis zum Saturn.
Auf Huygens’ Skizzen ist deutlich zu sehen, dass Titan ziemlich weit vom Saturn weg steht. Es war gar nicht so einfach, zwischen all den Sternen auf dem Hintergrund den einen Lichtpunkt als einen Mond zu bemerken. Huygens’ selbstgemachtes Teleskop hatte keinen automatischen Nachführmechanismus, wie man ihn heute hat, also war das Beobachten nicht unkompliziert, so wie jeder weiß, der jemals selbst die Sterne mit einem einfachen Fernrohr beobachtet.

Huygens‘ Analyse der Bahn des Titans und die Bestimmung der Umlaufzeit. Huygens nimmt an, dass die Bahn kreisförmig ist. Nach modernen Messungen misst der Durchschnitt der Bahn 10,6-mal den Durchschnitt des Planeten; also ist die Zeichnung auffällig exakt.